VIA Partnerprojekte in Nicaragua:
Wenn man den Flughafen von Managua verlässt, wird man von einer schwülen Hitzewolke eingehüllt und man fühlt sich wie in einer Sauna. Im Pick-up heizt man anschließend über vermüllte Autopisten, an Wellblechhütten und Menschenmassen vorbei, um dann in der Dunkelheit der unbeleuchteten Schnellstrassen zu verschwinden. Wenn man Pech hat, kommt man in einen sehr kräftigen Regenguss, der das Wasser nach einer Weile in das Führerhäuschen und in deine Schuhe drückt. In Granada wäre es dann praktisch, wenn sich der Pick-up in ein Boot verwandeln könnte, um auf den “Strassen-Flüssen” voran zu kommen. Der erste Gedanke: “Ich hab mir des anders vorgestellt.”
Dafür, dass Nicaragua das zweitärmste Land Zentralamerikas ist, in dem knapp ein Drittel der Bevölkerung unterernährt ist und mit weniger als einem US-Dollar täglich überleben muss, in dem die Hälfte der Bevölkerung arbeitslos und unterbeschäftigt ist und ein Drittel weder lesen noch schreiben kann, lachen und scherzen die Menschen viel. Die Menschen hier sind sehr interessiert an dem, was du machst und stellen viele Fragen über Deutschland. Man trifft auch immer wieder Leute, die schon einiges über Deutschland wissen, meistens sind sie an der ehemaligen Teilung Deutschlands und dem Mauerfall interessiert. Hinzu kommt die Gastfreundschaft hier; das Essen reicht teilweise gerade so, um die Bäuche der Familie zu stopfen Trotzdem kommt man immer wieder in Situationen, in denen sie dich zum Essen einladen, und wenn man es öfters ablehnt, heißt es: “ Der Gringo will nie bei uns essen.”
Grundlegendes Problem ist, dass die Lebenshaltungskosten und die Miete das monatliche Einkommen weit übersteigen. Die Mindestlohn liegt 1500 und 2000 Cordobas (zwischen 75 und 100 Dollar) monatlich. Die Miete für ein Haus/Grundstück in einem Barrio, d.h. nicht im Stadtzentrum, liegt schon bei 100-150 Dollar monatlich. Hinzu kommen noch die Kosten für Strom, Wasser und Lebensmittel. Das Leben ist so für eine 4-7 köpfige Familie sehr schwer. Meist ist es nicht möglich, alle Bäuche mit ausreichend Essen zu füllen. Da kann man es den Menschen nicht übel nehmen, wenn sie in dunkle Geschäfte abtauchen. Die derzeitige Regierung des Landes interessiert sich nicht besonders für die Armut der Bevölkerung; von ihrer Seite ist keine Unterstützung zu erwarten. Selbst das Projekt, für das ich arbeite, hat noch keinen einzigen Dollar bekommen. Der Präsident Daniel Ortega häuft lieber weiterhin Reichtum für sich und seine Familie an. Er lebt wie Dagobert Duck.
Paul, Dez. 2009 Granada




