V-Excel Educational Trust, Chennai, Indien
http://wikitravel.org/de/Chennai
Hallo,
mein Name ist Lorenz und ich war vom 26. September 2009 bis zum 30. August 2010 Freiwilliger bei V-Excel in Mandaveli, Chennai. V-Excel betreut mehrere Schulen sowie ein Projekt im ländlichen Tamil Nadu (rund um das Dorf Villapuram), wo versucht wird behinderte Kinder in normale Schulen zu integrieren. In Chennai selbst gibt es die Hauptschule in Mandaveli für Kinder zwischen 7 und 15, wo auch ich gearbeitet habe. Zwei weitere Freiwillige arbeiteten an der Schule in Adyar, Anna im Early Intervention Center für Kinder zwischen 0-7 und Andrei in der Vocational Unit für Personen ab 16. Alle drei Abteilungen der Schule richteten sich Rudolf Steiners Anthroposophie. Unterrichtssprache ist Englisch und alle Lehrer sprechen auch sehr gut Englisch.
Die Schulen wurden in der Regel von Kindern mit Autismus besucht, es gab aber auch Kinder mit Down-Syndrom oder Hyperaktivität. Die Schule in Mandaveli hatte drei Abteilung, dass Kaleidoscope Learning Center (genannt KLC), VRC und BLA (Kinder mit Lernbehinderung).
Ich habe sowohl mit den Kindern von KLC als auch bei VRC mitgearbeitet und hin und wieder habe ich auch Office-Arbeit gemacht (Pay-Register erstellen, Bibliothek neu ordnen etc.). KLC ist in ein Klassensystem eingeteilt. Es gibt den Kindergarten, die 1. Klasse, Klasse 2 a und 2 b sowie die dritte Klasse und die Vocational Units A und B. Bis zu den Sommerferien (Mai) habe ich als Assistent-Lehrer in der Red Group gearbeitet, wo die Kinder unterrichtet wurden, die noch nicht bereit waren, in das Klassensystem eingegliedert zu werden.
Nach den Sommerferien wurde die Red Group aufgelöst und die Kinder wurden auf die verschiedenen Klassen verteilt. Nach den Sommerferien wurde ich der 3. Klasse zugeteilt. Das Lehrer- Schüler Verhältnis ist sehr gut. In der Red Group waren wir 4 Lehrer, die 12 Schüler betreuen mussten. In der Klasse drei gab es wiederum 4 Lehrer für 14 Schüler. Die Gründerin, Dr. Vasudha Prakash, führt die Gespräche mit VIA und lädt die Freiwilligen nach Chennai ein, ohne unbedingt Rücksprache mit den restlichen Mitarbeitern zu halten.
Bei unserer Ankunft im Projekt wusste zwar jeder, dass wir kommen würden, aber es gab keine Arbeit für uns. Es dauerte ca. 2 Wochen, bis wir einer Klasse zugeteilt wurden, vorher sind wir durch die Klassen rotiert und haben nur zugeschaut. Nach diesen zwei Wochen ist Andrei, mein Projektpartner, dann auch in die Schule nach Adyar geschickt worden. Die dritte Freiwillige, Anna, kam erst im Februar oder März an. Bei der Arbeit nimmt man generell mit der Zeit die Rolle eines Lehrers ein und macht dasselbe, allerdings ohne die damit einhergehende Verantwortung zu tragen. Ein Beispielstag in der Red Group: 9:30-15:00 Uhr
9:30-10:00 Uhr: Die Kinder werden am Schultor in Empfang genommen und zum Klassenraum begleitet. Wilkommensrituale (morning circle) werden abgehalten. Es wird Eurythmie gemacht und man singt ein Lied oder ähnliches. Von 10:00-10:30 Uhr wurden Bohnensäckchen rumgegeben, um die Koordination und Konzentrationsfähigkeit der Kinder zu verbessern (es kann einem, besonders am Anfang, sehr komisch und sinnlos vorkommen). Von 10:30-10:45 war dann „snacks time“. Die Kinder folgen einer Diät, bei welcher es nicht erlaubt ist, Milch, Zucker oder Getreideprodukte zu sich zu nehmen, da es heißt, dass die Symptome von Autismus dadurch eventuell abgeschwächt werden können. Allerdings gibt es zu diesem Thema noch keine Langzeitstudien. Nach der ‚snacks time‘ von 10:45-11:00 Uhr war die ‚singing time‘, wo verschiedene Bewegungslieder gesungen wurden, z.B. auch Ringel Ringel Rose. Von 11:00-11:30 Uhr wurde das „Hauptfach“ unterrichtet, die Geschichte. Das erste Quartal haben wir Rotkäppchen gemacht, auch wieder mit Bewegungen. Diesmal allerdings mit Eurythmie.
Die Anfangsbuchstaben mancher Wörter werden durch Eurythmie dargestellt. Die Geschichte wird in der Regel zweimal erzählt, einmal von der Hauptlehrerin alleine, danach von allen zusammen. Die Kinder dürfen machen was sie wollen und müssen nicht teilnehmen und werde zu nichts gezwungen. Es wird auch nichts erklärt, sondern man macht einfach alles vor, und hofft, dass die Kinder das irgendwann nachmachen.
Von 11:30-12:00 Uhr wurde dann gestickt auf einer Kokosmatte. Um Punkt 12 gab es dann eine halbstündige ‚lunch break‘ und man hat den Kindern beim Essen geholfen. Man sollte nur in den Klassen essen, wenn man selbst etwas isst, das in der Diät erlaubt ist. Nach dem Essen könnte es z.B. für eine halbe Stunde auf den Spielplatz gehen, wo man die Kinder nur beaufsichtigen muss. Von 13:30 bis 14:00 war dann Fußmassage für die Kids. 14:00 Uhr ist Ende und die Kinder fahren nach Hause oder spielen „Tennis“ und viele bleiben noch bis 15:00 und lernen Rollschuhfahren. Dabei betreut man die Kinder wiederum. Ab 15:00 Uhr hab ich dann office work gemacht und später im Jahr habe ich bei VRC mitgeholfen. Der Stundenplan war nicht fest, und andere Möglichkeiten waren die ‚play-therapy‘ (freies Spielen unter Beobachtung einer Psychologin), bei der man nichts zu tun hatte, die ‚occupational-therapy‘ (Ergotherapie), bei der man auch frei hatte sowie ‚form drawing‘, bei der versucht wird den Kindern beizubringen geometrische Figuren zu malen.
Beim V-Excel Remedial Center (VRC) wird montags bis samstags 1on1 Unterricht gegeben. Einige der Schüler gehen auf ‚normale‘ Schulen und kommen nur nachmittags für eine Stunde 1on1 Unterricht und meistens noch für eine Stunde Ergotherapie im Anschluss. Andere Kinder wiederum gehen auf gar keine Schule auf Grund ihrer schweren Behinderung und kommen nur zu VRC, meistens dann morgens. Samstags findet auch Kleingruppenunterricht statt. Ich bin bei VRC des Öfteren eingesprungen, wenn eine Lehrerin krank oder anderweitig verhindert war. Für die Stunde Unterricht gibt es einen auf 5 Minuten durchgeplanten Stundenplan, den man befolgen muss. Ab März habe ich dann auch ein ‚eigenes‘ Kind für eine 1on1 Session bekommen, von 15:00-16:00 Uhr.
Die Schuldirektorin ist Gita Bhalla, die in Bangalore wohnt. Ihre Töchter, Neha und Puja Bhalla, sind Lehrerinnen an der Schule. Stellvertretende Schulleiterin ist Janaki Ashok. John Miller ist der leitende Ergotherapeut. Der Büro Administrator ist S. Kannan, der gleichzeitig auch unser Mentor ist.
Im Zweijahresrhythmus gibt es entweder einen Sportstag bzw. ein Theaterstück/Musical. Diese zwei Events sind die Highlights des Jahres und es wird sich monatelang darauf vorbereitet. Während ich dort war, führten wir eine Musical Version von dem Disney-Film Horton hört ein Hu auf, mit eigenen Liedern und Choreographien von Neha und Puja. Im Herbst 2010 wiederum fand der Sportstag statt.
Chennai
- Chennai wird generell in zwei Teile unterteilt, den eher wohlhabenden Süden der Stadt und den eher armen Norden. Sowohl Mandaveli als auch Adyar liegen in Südchennai und zählen zu den sehr guten Stadtvierteln.
- Südchennai ist malariafrei; Mückennetze für die Fenster vor Ort erhältlich
- Alle Medikamente (und Mückenschutz) sind auch vor Ort erhältlich, und zwar zum Bruchteil des deutschen Preises; Krankenhäuer sind teils auf europäischen Standard (Apollo Hospital, Billroth Hospital)
- An Kiosken und an Straßenständen gibt es Busfahrpläne zu kaufen, auf denen alle Buslinien und Metrozüge verzeichnet sind
- Immer Kleingeld dabeihaben, da Geschäfte und Restaurants oftmals keine größeren Beträge wechseln können
- Adressen spielen eine untergeordnete Rolle. Immer eine ‚landmark‘ kennen, die in der Nähe des Ziels ist (große Bank, Universität, Einkaufszentrum etc.)
- Auch sonntags hat so gut wie alles geöffnet
- Es gibt zwei Filialen der Deutschen Bank sowie eine Postbankfiliale in Chennai, die auch gut zu erreichen sind; ansonsten gibt es jede 200 Meter Geldautomaten indischer und internationaler Banken
- Wenn man sich selbst mithilfe eines Maklers eine Wohnung sucht, ist die Maklergebühr eine Monatsmiete und die Kaution beträgt meistens zwischen 10 und 12 Monatsmieten, die man beim Auszug zurückerhalten sollte
- In jedem Laden kann man Belege erhalten für die Abrechnung
- Die Busse fahren nur bis ca. 22:00 Uhr




