Dar es Salaam an der Küste des Indischen Ozeans ist nicht nur das pulsierende Herz Tansanias, sondern neben Nairobi auch die größte Stadt Ostafrikas.
Wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung boomt die Metropole, die Einwohnerzahl wächst beständig (die Angaben variieren zwischen 3 und 4 Millionen, so genau weiss das niemand) und ein Ende ist nicht absehbar, da die noch ärmere Landbevölkerung, von verheerenden Dürren und dem Versagen der Politik an den Rande ihrer Existenz getrieben, vermehrt Zuflucht im angeblichen Heil der urbanen Zentren sucht.
Die Realität offenbart jedoch häufig nicht viel bessere Aussichten: Im Gegensatz zum weiten Land bietet das Leben in der Stadt kaum Platz, sich in Form von Ackerbau selbst mit dem Nötigsten zu versorgen. Wer ohne Qualifikationen im ohnehin von Arbeitslosigkeit geplagten Dar es Salaam ankommt, landet schnell auf der Straße. Die besonders Leidtragenden dieser schicksalhaften Entwicklung sind die Schwächsten Glieder der Gesellschaft, neben Alten und Kranken vor allem Kinder, in einem Land, dessen durchschnittliche Geburtenrate seit Jahren steigt. Hinzu kommen Probleme wie AIDS, die das Schicksal komplettieren und viele Kindern als Waisen zurücklassen, bei denen von den mangelhaften Hilfsprogrammen der überforderten Regierung wenig bis nichts ankommt. Leider kann die zunehmende Masse ebenso wenig von privaten Institutionen aufgenommen werden, die bereits jetzt nicht Herr der Lage werden können.
UMRA Orphanage Centre
Eine der Organisationen, die sich aller negativen Tendenzen zum Trotz dem Schutz der Kinder verschrieben hat, ist das UMRA Orphanage Centre. Es entstand aus privater Initiative von Rahma Juma , als sie bereits vor über 20 Jahren ein verwaistes Kind aus dem Bekanntenkreis bei sich zu Hause aufnahm. Dies ist in Tansania und Afrika im Allgemeinen, wo verwandtschaftliche Beziehungen einen enormen Stellenwert besitzen, keine Seltenheit. Freunde und Familie übernehmen wie selbstverständlich die Sorge um Kinder, deren Eltern entweder verstorben sind oder sich aus gesundheitlichen wie finanziellen Gründen nicht ausreichend um sie kümmern können.
Aus einem wurden schnell zwei Neulinge im eigenen Familienkreis und als die Ersparnisse und darüber hinaus Spenden das nötige Startkapital hergaben, wurde die einmalige Gelegenheit genutzt und der bereits länger gehegte Wunsch vom Waisenheim in die Tat umgesetzt.
Das war im Jahr 2000. Seitdem beherbergt das UMRA Orphanage Centre eine stetig wachsende Zahl von nunmehr 59 Kindern und Jugendlichen. Der Grundgedanke blieb seitdem unverändert: Möglichst junge Neuankömmlinge aufnehmen und ihnen einen geschützten Ort zu bieten, an dem sie Essen und alles Weitere finden; ihnen darüber hinaus Bildung zu ermöglichen, um sie im Alter von 18 bis 20 Jahren je nach Schulabschluss in ein eigenständiges Leben entlassen werden können.
Soweit die Theorie. In Wirklichkeit sieht es leider häufig so aus, dass nach Abzug der Miete, laufender Kosten für Essen, Wasser und Strom nicht viel Geld übrig bleibt, um dringend benötigt Investitionen durchzuführen, geschweige denn längerfristig zu planen.
Dabei können wir uns bereits glücklich schätzen mit Hilfe uns entgegenkommender Konditionen zum Jahreswechsel in ein neues, vor allem geräumigeres Gebäude umgezogen zu sein. Durch die großartigen Spenden, die uns bisher erreicht haben, konnten zudem die offensichtlichsten Missstände behoben werden. So gibt es seit kurzem einen Wassertank mit zusätzlichem Filter, der das verunreinigte Grundwasser keimfrei aufbereitet.
Momentane Situation
Dennoch bedarf es weiterhin einer ganzen Reihe dringlicher Änderungen. An erster Stelle wäre hier sicherlich der Mangel an Schulgeldern zu nennen. Zwar besuchen bis auf Ausnahmen alle Kinder eine Schule, das marode Bildungssystem Tansanias verklärt diesen Umstand allerdings kräftig. An den staatlichen Schulen wird von den unterbezahlten und folglich demotivierten Lehrern häufig schlicht kein Unterricht gegeben. Falls doch, besteht Lernen meist aus sinnlosen Abschriften von der Tafel, das Ganze zudem methodisch zum Verzweifeln. Die Erfolge der Schüler gehen in der Folge trotz oftmals grenzenloser Lernwilligkeit und Wissensdurst gegen Null. Die
schmerzhafte, da deutlich teurere Alternative heißt Privatschule.
Zudem versuchen wir, mit Nachmittagsunterricht und Hausaufgabenbetreuung die Versäumnisse so gut es geht aufzuholen, was in Anbetracht der Schülerzahl und den erschreckenden Rückständen vor allem der Älteren jedoch nahezu unmöglich erscheint.
Da die fest angestellten Mitarbeiter bei UMRA mit Wäsche Waschen, Kochen und Putzen bereits mehr als ausgelastet sind, bleibt die Beschäftigung und das Unterrichten der Kinder und Jugendlichen daher hauptsächlich unsere Aufgabe als Freiwillige.
Um trotzdem auf eine aussichtsreiche Perspektive für die Kids hoffen zu können, vom Waisenkind in ein eigenständiges Leben, bedarf es deshalb vor allem Schulgeldern. Um diese vernünftig planen zu können, versuchen wir deshalb Patenschaften für eines der Kinder zu vermitteln, mit denen die monatlichen Beträge für den Schulbesuch bewerkstelligt werden könnten.
Darüber hinaus müssten Bücher, Hefte und sonstiges Schulmaterial angeschafft werden. Schließlich wäre eine Ausstattung des neu entstandenen Klassenraums mit Tischen und Stehlen zum angemessenen Nachmittagsunterricht wünschenswert.




