VIA-Projekte in Tansania
Kinderheim Zebra Chidren’s Village, Bethsaida Girls’ Secondary School, UMRA Orphanage Centre
Tansania
Die glutrote Sonne senkt sich über die Savanne, ihren Strahlen hüllen ein letztes Mal für diesen Tag gewaltige Gnuherden und ihnen nachhetzende Löwenrudel in ein gleißendes Licht. Massai mit ihren Rindern suchen den Schutz der Hütten. Bis zuletzt sticht die Siluette eines majestätischen Baobab-Baums vor dem leuchtend orangen Abendhimmel am Horizont hervor… „Karibu sana“, Willkommen in Tansania.
Auch wenn klangvolle Namen wie die Steppe der Serengeti, der ebenso zum Weltnaturerbe der UNESCO zählende Ngorongoro-Krater, die schneebedeckten Gipfel des Kilimanjaro als höchsten Bergs des Kontinents oder die Paradisstraende Sansibars sicherlich als erste Assoziationen mit dem ostafrikanischen Land locken: Tansania ist noch viel mehr als diese Ansammlung romantisierter Bilder aus Walt-Disney-Filmen und Safari-Reiseführer!
Seit jeher ist Tansania ein geschichtsträchtiger Ort. Irgendwo in den Weiten des ostafrikanischen Grabenbruchs soll sie einst ihren Lauf genommen haben, die Geschichte der Menschheit. Lange nachdem unsere frühesten Vorfahren durch das schier unendliche Land streiften – Tansania erstreckt sich auf einer Fläche etwa 2,5 mal so groß wie Deutschland – war die Küste und die ihr vorgelagerten Inseln im indischen Ozean Ausgangspunkt für die Plünderung eines ganzen Kontinents, zunächst in den grausamen Jahren des blühenden Sklavenhandels, dann in den dunklen Kapiteln der Missionierung und Kolonialisierung.
In dieser aufregenden Vergangenheit etablierte sich eine bunte Mischung der Kulturen, die bis heute anzutreffen ist. Während die Küste nachwievor von muslimischen und zum Teil gar hinduistischen Tendenzen beeinflusst ist, überwiegt im Landesinneren das Christentum, ebenso wie traditionell animalistische Religionen.
Bemerkenswert ist dabei das durchweg freundliche und – wenn schon nicht von absoluten Verständnis – so doch von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägte zusammenleben der knapp 37 Millionen Tansanier. Nicht zu vergessen ist hierbei die bis heute vor allem auf dem Land omnipräsente Stammeskultur, die trotz politischer Bemühungen der Vergangenheit, fortschreitender Globalisierung und der sich im Zuge schnell steigender Bevölkerungszahlen mehr und mehr vermischenden Identitäten einen festen Platz in der kulturellen Vielfalt des Landes innehat. Tansania ist nebenbei bemerkt das einzige Land Afrikas, das mit Kiswahili als Stammes- und kulturübergreifender Lingua Franca eine traditionell afrikanische Sprache seine offizielle Amtssprache nennt.
Während der Mullah zum Gebetsaufruf gegen Marktschreier und Verkehrslärm anzukämpfen hat, trifft man auf eilig aufbrechende Muslime in ihren blütenweißen Kanzu-Gewändern, während sich tratschende Frauen in farbenprächtige Kangastoffen gehüllt zu Kaffee oder Tee niederlassen. Auf der Straße geht der Trubel von zwischen den Autos umher wuselnden Verkäufern derweil unbehelligt weiter. Schulkinder trällern Lieder. Ziegen und Hühner machen sich die Abfälle streitig. Bettler versuchen, in den Menschenströmen mit Almosen über den Tag zu kommen, Mütter erbitten händeringend Unterstützung für das Schulgeld ihre Kinder. In den weitestgehend vom Blick der Öffentlichkeit abgeschirmten Wohnvierteln ebenso wie in den sträflich vernachlässigten Gebieten auf dem Land grassieren die Krankheiten eines jeden Entwicklungslandes: Mangelhafte Bildung, Korruption und umsichgreifende Seuchen wie Malaria, AIDS und Co. Das ist die andere, die unschöne, oft schlicht unbequeme Seite des aufstrebenden Tansanias. Das Land ist hin- und hergerissen zwischen Ursprünglichkeit und Moderne, die Menschen bemüht um eine Balance zwischen der Bewahrung alteingesessener Strukturen und der Anpassung an die unaufhaltsamen Mechanismen der Moderne. Bereits fest im Griff der Globalisierung bleibt jedoch zweifelhaft, wer tatsächlich an diesen Entwicklungen verdient. Während ausländische Investoren die Bodenschätze Tansanias im Stile postmodernen Kolonialismus abbauen – um nicht von rauben zu sprechen – und eine winzige Oberschicht ein Luxusleben westlicher Vorstellungen nachlebt, bleibt für die große Mehrheit der Bevölkerung der Schein des angeblichen Fortschritts, an dem sie nicht teilhaben dürfen.
Was in Anbetracht dieser Missstände und Nöte jedoch besonderer Bewunderung bedarf, ist die durchgehend positive Lebensweise, Offenheit und Gastfreundlichkeit der Menschen, die einem Tag für Tag aufs Neue ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, womit man klischeehaft und doch treffend ganz nach einem durch Disney bekannt gewordenen Leitspruch schließen könnte: „Hakuna matata“, es gibt keine Probleme!
Februar 2010
Ein afrikanisches Abendteuer
Dar- es- Salaam sah aus Wolkenperspektive so langweilig aus, dass man sich beim Anblick der Stadt tatsächlich gelangweilt fühlte. Selbst wenn man seit Stunden im Flugzeug gesessen hatte und sich wirklich nichts anderes wünschte, als etwas anderes als weiße, bauschige Wolken zu sehen, gab es dort unten nichts aufregendes zu entdecken.
Eine riesige Weite voll großer und kleiner grauer und weißer Häuser und Wellblechhütten, durchsetzt von unwillkürlich auftretenden leeren Flächen. In Küstennähe reckten sich einge einzelne Hochhäuser gen Himmel, die so fehl am Platz wirkten, wie nur irgendwie möglich. Am anderen Ender der Stadt erstreckte sich die unendliche Weite des Hinterlandes, grün –braun gefleckt und leer.
In diesem Moment wurde mir klar, dass ich überhaupt nicht wusste, was mich da unten erwartete. Wie wenn einem einfällt, das man vergessen hat etwas Wichtiges zu erledigen, wurde mir klar, dass ich überhaupt keine Vorstellung hatte, wie es würden würde…
2 Monate später. Es ist Sonntagabend, der letzte Tag des Fastenmonats Ramadan. Überall wird gefeiert, gegessen, getrunken und gelacht. Die Luft ist erfüllt von Musik, die Menschen tanzen auf den Straßen. Ich schließe die Augen und bin das erste Mal seit ich angekommen bin zu Hause und glücklich. Die Szenerie flackert in warmem Kerzenschein. An den Ständen wird alles angeboten, was das Herz begehrt. Es riecht nach frischen Früchten und gebratenem Fleisch, Händler preisen schreiend ihre Waren an. Auf einer großen Kreuzung steht ein Verkehrspolizist. Seine Arme fliegen durch die Luft, wie die eines Hampelmanns an dem ungeduldig ein kleines Kind reist. Der Verkehr ist ein einziges Chaos, Zwischen den Autos laufen Händler, klopfen an Scheiben, bieten Kaugummis, Äpfel und Prepaidkarten zum Verkauf. Alle wollen irgendwo hin, wollen das Leben genießen!
Afrika. Manche sagen es ist die Hölle, andere wollen nie wieder weg. So oder so, es ist eine Herausforderung. Der Kulturschock hat einen schon am ersten Tag. Nirgendwo könnte es so anders sein. Die ersten Wochen ist man eine Schnecke, die langsam aus ihrem Häuschen gekrochen kommt und Stück für Stück ihre Umgebung erfühlt. Es gibt keinen Stadtplan, man weiß nicht, wo die Busse herkommen und wo sie hinfahren oder wo man Eiscreme kaufen kann. Man muss vielleichtdas erste Mal seine Kleidung von Hand waschen und mit den Händen essen und alle plappern Suaheli, das einem Hören und Sehen vergeht.
Und dann eines Tages, ist es als habe man endlich den Lichtschalter gefunden und was man sieht ist so schön, dass man die Welt umarmen möchte. Auf einmal kann man im Bus den Fahrtwind genießen, weil man weiß, wo man aussteigen muss. Wenn man zur Arbeit kommt, stürmt ein Haufen Kinder auf einen zu und man wird liebevoll auf Kniehöhe umarmt. Man kennt jetzt alle ihre Namen!
Man lernt jeden Tag. Stück für Stück wird man selbstbewusster und sicherer.
Und dann schlägt er wieder zu der Kulturschock. Diesmal ganz unerwartet und plötzlich. Weil einer der neuen Freunde wieder nur angerufen hat, weil er Geld will. Weil die bei der Arbeit einfach nicht einsehen wollen, dass man die tollsten Ideen hat und die Kids immer noch keinen englischen Ton rauskriegen.
So jedenfalls war das für mich. Ich musste lernen, dass meine Kultur meine Identität ausmacht. Kultur ist nicht nur ein traditioneller Tanz, ein Gericht oder Gedicht.
Kultur ist, was man mag und was nicht, Kultur ist, das man zum Frühstück kein Fleisch essen kann. Kultur ist, wie man redet und was man empfindet. Das sind Dinge, die man im Blut hat, die man nicht los wird. Kultur ist, dass Mama einem eingetrichtert hat, dass man nicht mit dem Finger auf Leute zeigt und dass man in der Schule eine Strafarbeit bekommen hat, weil zu spät kommen etwas mit Respekt zu tun hat. Es lässt sich nicht ändern, dass man wütend wird, wenn man wieder wartet, wenn man wieder mit unwichtigem Zeug vollgelabert wird, obwohl man gerade eine wichtige Unterhaltung führt/
Ich erzähle euch dass alles, weiblich selbst 6 Monate gebraucht habe, um herauszufinden, was Kultur bedeutet, dass sie einen großen Teil meiner Persönlichkeit ausmacht. Und, dass sie die Ursache ist, für viele meiner Schwierigkeiten. Ich habe gelernt, dass ich in kultureller Hinsicht und in diesem Land nicht jemand bin, der weiß, sondern jemand, der noch viel zu lernen hat. Wenn ich mich unhöflich behandelt fühle, denke ich daran, dass meine Maßstäbe in Tansania nicht gelten, Ich weiß jetzt, dass eigentlich alle furchtbar freundlich zu mir sind, mehr noch, dass ich diejenige bin, die unhöflich ist. Wenn ich zum Beispiel die umständlichen Grußformeln weglasse, weil ich schnell zur Sache kommen möchte. Es hat mir sehr geholfen, dass ich herausgefunden habe, das seine positive und offene Einstellung alles verändern kann, das so oft alles bei einem selber liegt.
Die eigene Kultur wird man sicherlich nie los, aber man kann sie ergänzen, dazu lernen. Aus mir wird sicherlich nie ein unpünktlicher Mensch, aber ich bin sehr viel geduldiger und gelassener geworden. Ich kann offen auf Menschen zu gehen und mit jemandem den ich gar nicht kenne 20 Minuten über belanglosigkeiten plaudern. Und das macht mich glücklich.
Tansania ist ein ausgesprochen friedliches Land, in dem die freundlichsten Menschen wohnen. Ihr werdet eine der schönsten und intensivsten Erfahrungen eures Lebens machen, so viel ist sicher, dass es nicht immer einfach ist, macht es nur besser. Ich wünsche euch eine wunderschöne und unvergessliche Zeit. Karibu Tansania!
Johanna, 28.06.2010
Tipps von Johanna (Sommer 2010)
Krankenhäuser
Aga Khan Hospital
Ein sehr gutes, größeres Krankenhaus in Oysterbay. Eine Behandlung kostet ungefähr 20 000 Tsh plus einmaliger Anmeldegebühr.
TMJ
Ein kleineres Krankenhaus in Mikocheni B, das dafür aber auch billiger ist und trotzdem nichts zu wünschen übrig lässt.
IST
Das Internationale Krankenhaus in Masaki, direkt neben der International School gelegen. Hier findet man viele Europäische Doktoren. Das hat aber auch seinen Preis und ist selten wirklich besser, als die Behandlung in einem “normalen” Krankenhaus.
Tipp: Fast überall gibt es Dispensarys, eine Art große Apotheke, in denen man sich von einem Arzt behandeln lassen kann. Seid vorsichtig! Die Diagnosen sind oft nicht zuverlässig und es kann passieren, dass ihr auf Grund einer Krankheit behandelt werdet, die ihr gar nicht habt.
Bars/ Clubs
Bilicanas
In Posta. 10 000 Tsh Eintritt und es wird die ganze Nacht gefeiert!
Savannah
Posta, im obersten Stock des Hotels gegenüber vom Post Office. Edle Bar mit Tanzfläche. Vorteil: Man bezahlt 10000 Tsh Eintritt, bekommt aber Getränkegutscheine ausgehändigt.
Sun Cirro
In Sinza. Hinter dem Blue Pearl Hotel in Ubungo rechts abbiegen, dann ein kleines Stück gerade aus. Spezialität: Seifenblasen
Breakpoint
Gegenüber vom Bilicanas in Posta. Hier kann man wild tanzen und Leute kennen lernen. Perfekt um sich die Zeit zu vertreiben, bevor in den Clubs die Feierei los geht.
Samaki Samaki
Die besten Fischgerichte, Musik und Drinks jeglicher Art. Perfekt um Freunde zu treffen und einfach abzuhängen!
Strand
Die schönsten Strände gibt es auf der Insel Kigamboni. Mit dem Bus fährt man nach Posta bis zur Endstation und nimmt dann die Fähre nach Kigamboni. Von dort aus lassen sich die schönsten Strände (Kipepeo Beach, South Beach/Paradise) mit Bus oder Motorrad/ Bajaji in einigen Minuten erreichen.
Die Strandbar Mbalamwezi in Mikocheni B ist eine der schönsten. Man kann dort baden, gut essen und ist meist ganz ungestört.
Kino
Mlimani City
Ein Kino ganz wie in Europa, mit Popcorn und allem drum und dran. Dienstag und Donnerstag für 7 000 Tsh, sonst für 8000Tsh pro Person.
Koffer packen
Wenn man für ein ganzes Jahr in ein Land reist, von dem man sich nicht sicher sein kann, wie die Krankenhäuser von innen aussehen, was in den Läden verkauft wird und ob es überhaupt Supermärkte gibt, kommt es einem furchtbar wichtig vor, alles wichtige dabei zu haben und von allem genug. Gleichzeitig hat man keine Ahnung, was man eigentlich wirklich braucht und was auch ein Jahr zu Hause warten kann. Deshalb findet ihr hier eine offizielle, auf Erfahrung beruhende Packliste!
Die Reiseapotheke & Hygene
Die medizinische Versorgung in Dar-es-Salaam ist im Allgemeinen sehr gut. Es gibt unzählige kleine Apotheken in denen man bedenkenlos den üblichen Kram wie Paracetamol, Hustensaft und Pflaster kaufen kann, sowie einige sehr gute Krankenhäuser.
Ja, es gibt Tampons in jedem größeren Supermarkt, also bitte keinen Jahresvorrat anschleppen!
Kontaktlinsen sind absolute afrikatauglich. Ich selbst habe mit Tageslinsen die besten Erfahrungen gemacht
Solltet ihr Malaria bekommen, könnt ihr in fast jedem Krankenhaus eine ausgezeichnete Behandlung bekommen und die Medikamente sind um vieles billiger als in Deutschland.
Kleider machen Leute
1-2 leichte Pullover
1 Stoffjacke
T-Shirts, Shirts, Röcke, Kleider …alles was leicht und sommertauglich ist!
Lange Hosen und Leggins sind für die Moskitoreichen Abendstunden sehr empfehlenswert
Schuhe: Flip Flops/ Sandalen, Turnschuhe, ein paar feste Schuhe ( für Reisen und Regenzeit)
Tipp: Nehmt mit was ihr habt aber kauft euch keine tollen neuen Schuhe. Die Straßen sind so staubig und uneben, dass Schuhe leicht kaputt gehen. Außerdem findet man hier auf jedem Markt die tollsten Schuhe jeder Art für ganz wenig Geld.
Flip Flops sind die tollsten, sie sind bequem, hitzetauglich und sind ganz schnell aus- und wieder angezogen, wenn man auf anderer Leute Teppichen Tee trinkt.
Es gibt aber in Dar-es-Salaam Unmengen von Kleidergeschäften und Secondhandmärkten, auf denen man für wenig Geld die tollsten Sachen jeder Art und Farbe findet. Nehmt also nicht zu viele Klamotten mit, es erwartet euch ein Shoppingparadies!
Was man sonst noch brauchen kann…
Sonnenbrille
1 Handtuch
Bettwäsche
Bücher, Karten Gesellschaftsspiele
Fotos von Familie und Freunden
Handy (ohne geht gar nicht!)
Tansanische Schillinge: Es kann kaum schaden ein wenig Geld in der Landeswährung bei der Bank zu bestellen. Dann muss man nicht gleich am ersten Tag hungern und dursten bis man eine Wechselstube oder Bank gefunden hat.
Bankkarte: Es ist empfehlenswert eine Visakarte mitzubringen oder auch ein Notfallkonto einzurichten. Manchmal wollen die Automaten in der ganzen Stadt aus unerfindlichen Gründen kein Geld ausspucken, in der Situation muss man nicht sein!
Suahilibuch: Ein Suahilibuch ist sehr wichtig, viele Tansanier können kein Englisch! Ich empfehle das kleine Kauderwelschbuch für die wichtigsten Redewendung und die simple Grammatik. Hier in Tansania könnt ihr dann das “Swahili Book for Beginners” kaufen, das wirklich gut ist.




