Die Bethsaida Girls’ Secondary School (www.oloforphans.org) ist eine sekundare Internatsschule für Waisenmädchen, die sich dadurch aus der Masse all der anderen Schulen Dar es Salaams (Tansania) heraushebt, dass sie keinerlei Schulgebühren erhebt. Für die Schülerinnen, die unter normalen Umständen aufgrund ihrer Armut und der familiären Verhältnisse keine Chance auf eine weiterführende Bildung hätten, bedeutet das, dass ihnen neben der kostenfreien Bildung, Unterkunft und Ernährung noch eine gewisse Sicherheit gegeben wird, die viele von ihnen mit dem Tod ihrer Eltern verloren haben.
Die Schule ist von der tansanischen Nichtregierungsorganisation (NRO) “Olof Palme Orphans Education Centre” gegründet worden, welche selbst jedoch wiederum einzig zu dem Zweck ins Leben gerufen wurde, Bethsaida als offiziell anerkannte Schule zu etablieren. Weder die NRO noch die Schule verfügen über dauerhafte Spender oder regelmäßige Einnahmen, sie werden von der Regierung finanziell nicht unterstützt.
Derzeit beherbergt und unterrichtet Bethsaida um die 150 Mädchen und heranwachsende junge Frauen im Alter von 13 bis 26 Jahren. Die Verpflegung der Schülerinnen hängt aufgrund des fehlenden Geldes von wöchentlichen Besuchern ab. Dies können Einzelpersonen, ehrenamtliche Vereinigungen, religiöse Gruppen oder andere Gruppierungen sein, die bei ihren Besuchen ein paar Säcke mit Ugali-Brei-Mehl, Reis oder Bohnen mitbringen. Dadurch, dass ständig neue Gruppen gefunden und eingeladen werden müssen und dies nicht immer erfolgreich ist, ist die Sicherheit einer konstanten Versorgung nicht gewährleistet.
Bethsaida verfügt über sechs Klassenzimmer, ein Physik-/Bio-/Chemie-Labor, vier Schlafsäle, einen Essens-/Bet-/Aufenthalts-Saal, ein “Lehrerzimmer”-Haus, ein Lehrer-Wohnhaus, ein Volunteer-Haus sowie über eine kleine Hühnerfarm, eine Bibliothek ist gerade in Bau. Schon oft hat sich der Bau eines neuen Hauses über lange Zeit hinweggezogen, da aufgrund mangelnder finanzieller Mittel immer wieder unfreiwillige Bau-Stops eingelegt werden mussten. Um als vollwertige Sekundarschule anerkannt zu werden (deren Abschluss Voraussetzung für ein späteres Universitäts-Studium ist), fehlt der Schule noch mindestens ein weiteres Labor. Der mögliche Abschluss, der bisher in Bethsaida zu erreichen ist, ist mit der deutschen Mittleren Reife bzw. den englischen O-Levels zu vergleichen und befähigt den Absolventen somit nicht zum Studium. Im vergangenen Jahr (2009) hat die erste Generation von Bethsaida Schülerinnen diese mittlere Reife abgeschlossen und konnte, Dank der Spende und dem Einsatz vieler Helfer, besonders auch ehemaliger Freiwilliger, alle auf eine weiterführende Schule. Auch in diesem Jahr werden wieder dringend Sponsoren gesucht, da das Ziel eine Oberstufe in Bethsaida zu integrieren noch nicht erreicht wurde.
Aufgrund der instabilen finanziellen Situation kommen und gehen die Lehrer – wurden für den letzten Monat nicht genug Spenden und somit die essentiellen Lehrergehälter aufgetrieben, ist der neue Lehrer genau so schnell wieder weg wie er gekommen ist.
All dies sind die Fakten – doch was das eigentlich Außergewöhnliche dieser Schule darstellt, sind ihre Schülerinnen. Die Liebenswürdigkeit, Aufnahmebereitschaft und Wärme, die die Mädchen allen Menschen entgegenbringen, die Lebensfreude und Zufriedenheit, die sie trotz allem früher Erlebten ausstrahlen, sind der Grund dafür, dass Bethsaida weiterhin besteht. Zwischen den Mädchen und allen Menschen, die sie besuchen, bildet sich ein emotionaler Bund, der für beide Seiten so überaus gewinnbringend ist, dass es gar nicht möglich ist, einander zu vergessen. Vor allem uns internationale Freiwilligen bezaubern die Mädchen mit ihrer Vertrauen schenkenden, außergewöhnlichen Art, die uns immer wieder aufs neue antreibt, uns weiterhin zu engagieren.
Und auch, wenn wir gerne behaupten, dass Bethsaida in ihrer Art einzigartig ist, dass es nirgends so liebevolle, schöne, intelligente, bezaubernde und kraftspendende Mädchen gibt wie bei uns, dass so etwas kein zweites Mal existieren kann … wir wissen doch in Wirklichkeit, dass derartiges in dieser – im Vergleich zu unserer “westlichen” so ganz anderen – Welt hundertfach, tausendfach und überall vorkommt.
Das ist unser Antrieb, das ist unsere Motivation, uns auch nach unserem Freiwilligenjahr weiter für die Bedürfnisse all der unzähligen Bethsaidas einzusetzen, die auf dieser Welt existieren. Wir vergessen nicht, was wir erlebt haben. Wir geben es weiter.




